Wie Familie Hauser dank Youtube zu Playmobil-Figuren wurde

2017-08-29T15:26:49+00:00 April 1st, 2017|Online-Video|0 Kommentare

Familie Hauser vom Bodensee fängt aus Spaß an, kurze Filme mit Playmobilfiguren auf YouTube hochzuladen. Die sind so erfolgreich, dass auch Playmobil auf die Hausers aufmerksam wird. Und plötzlich landet die vierköpfige Familie in tausenden deutschen Kinderzimmern.

Der Ausflug von Nicole Hauser und ihren beiden Kindern Lena und Anna beginnt ganz harmlos. Doch als Lena in eine Glasscherbe tritt und sich am Fuß verletzt, nimmt er eine dramatische Wendung. Zum Glück ist der Krankenwagen schnell da. Lena wird verarztet, Ende gut, alles gut. Diese kleine Geschichte ist mit mehr als sechs Millionen Abrufen das erfolgreichste Video auf dem YouTube-Kanal “Family Stories”. Die Abenteuer der Familie Hauser gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Kinderformaten auf YouTube. Pro Monat werden die ausschließlich mit Playmobil-Figuren gedrehten Kurzfilme bis zu 14 Millionen Mal angeschaut.

Kinderinhalte sind inzwischen, von der breiten Öffentlichkeit fast unbemerkt, ein Riesentrend auf YouTube. Es ist ein Zeichen für den fortschreitenden Medienwandel: Wo früher die Sesamstraße oder Das Sandmännchen eingeschaltet wurden, kriegen Kinder heute in vielen Haushalten das Tablet von Mama und Papa in die Hand gedrückt und dürfen YouTube gucken. Das Angebot ist riesig und reicht von Spielzeugtests über Kinderlieder bis hin zu Kurzfilmen mit Playmobil oder Lego, wie bei Familie Hauser. So breit wie das Angebot ist, so breit ist auch die Qualität der Inhalte. Wettbewerbe, bei denen Fünfjährige verschiedene Chipssorten am Geschmack erkennen sollen, sind, nun ja, wohl eher Geschmackssache. Aber es gibt eben auch Kanäle wie den von Familie Hauser.   

Die Hausers gibt es wirklich und sie leben am Bodensee. Ihren echten Namen möchten sie für sich behalten. Der Kanal ist tatsächlich ein Familienprojekt, das die beiden Eltern mit ihren Töchtern im Alter von vier und sieben Jahren seit etwa zwei Jahren gemeinsam betreiben. Aus dem familiären Zeitvertreib ist mittlerweile ein Fulltime-Job für Mutter Nicole Hauser geworden. Die 37-Jährige ist eigentlich Augenoptikermeisterin, ihr Mann Michael (43) ist Informatiker. “Vom Filmen hatten wir anfangs keine Ahnung”, gibt sie am Telefon zu. Das allerdings merkt man den inzwischen fast 200 Videos auf dem Kanal kaum an.

Angefangen hat alles mit einem Weihnachtsgeschenk: Vor zwei Jahren lag für die Kinder ein Hotel von Playmobil unterm Weihnachtsbaum. Unter kreativer Zuhilfenahme der zugehörigen Krippe des Spielzeugherstellers entstand eine große Strandlandschaft. Die gefiel der Familie so gut, dass sie beschloss ein paar kurze Filme damit zu drehen und diese auf YouTube hochzuladen; auch um das Ergebnis Freunden zeigen zu können. So begannen die Abenteuer von Familie Hauser.

Die einfachen Geschichten von Spielplatzbesuchen, Skiausflügen und Kindergartentagen erinnern ein wenig an die “Heile-Welt-Serien” vergangener Fernsehtage im Stile von “Die Waltons”. Wir erleben eine Familie, die stets zusammenhält, aufregende Sachen erlebt, bei der am Ende aber immer alles gut ausgeht. Kurz gesagt: Die “Family Stories” können Kinder jeden Alters bedenkenlos auf YouTube gucken. “Wir spielen uns im Grunde selbst”, sagt Nicole Hauser, die sich hauptsächlich um die Produktion der einzelnen Folgen kümmert.

Am meisten Arbeit machen dabei die aufwändigen Sets. “Wir haben schon hohe Ansprüche. Das Endergebnis muss stimmen”, sagt Mama Hauser. Für ein Video etwa hat Nicole Hauser eine komplette Gebirgslandschaft mit Gondelbahn, Wildbach und Ski- und Rodelpiste aufgebaut.  Bis eine solche Kulisse steht, kann es schon mal einen ganzen Tag dauern, aber auch hier helfen die beiden Töchter eifrig mit.

Das Material dafür kommt zum großen Teil aus dem eigenen Bestand. Das Ehepaar Hauser hat viel Playmobil aus der eigenen Kindheit aufgehoben, dazu kommen regelmäßige Neuanschaffungen. Inzwischen hat die Familie zu Hause einen eigenen Raum für die Requisiten; Michael Hauser musste dafür sein Arbeitszimmer räumen.

Bei Playmobil ist man, wenig überraschend, begeistert über das kreative Schaffen der Playmobil-Filmer: “Den positiven Einfluss zahlreicher Playmobil-Botschafter auf unsere Marke wissen wir sehr zu schätzen”, schreibt Pressesprecherin Claudia Auer in einer E-Mail. Neben den Hausers gibt es dutzende Kanäle, die ein ähnliches Konzept verfolgen, etwa “Pandido TV” oder “Spiel mit mir”. Die erfolgreichsten von ihnen versorgt der Spielzeughersteller mit neuem Material: “Playmobil stellt bereits seit einigen Jahren ausgewählten YouTube-Vloggern, die regelmäßig eigene Videos mit Playmobil erstellen und veröffentlichen, kostenlos Sets zur Verfügung. Bei der Auswahl dieser Vlogger prüfen wir sorgfältig, welche Themenwelt (bzw. welches Spielset) zum jeweiligen Kanal passt. Außerdem achten wir darauf, dass Inhalt, transportierte Werte und Qualität des YouTube-Kanals unserem Markenimage entsprechen”, schreibt Auer.

Auch die Hausers haben von Playmobil schon neue Sets bekommen, ohne allerdings eine Gegenleistung dafür zu erwarten, darauf legt Nicole Hauser wert: “Wir wollen uns unsere Unabhängigkeit bewahren.” Abgesehen von der bei YouTube üblichen Werbung gibt es in den Videos der Hausers keine zusätzliche Reklame, etwa in Form bezahlter Produktplatzierungen.

Dafür ist die Familie selber Teil der Welt von Playmobil geworden. Viele der kleinen Zuschauer wünschten sich nämlich, selber mal “Familie Hauser” spielen zu können. Was bei Playmobil zu einer unerwarteten Nachfrage nach den dafür nötigen Figuren und Accessoires sorgte. Das Unternehmen reagierte: “Familie Hauser” ist im deutschsprachigen Raum seit November 2016 unter der Produktnummer 6530 als komplettes Set erhältlich, empfohlen ab vier Jahren. Das Set komme gut an, sagt Auer: “Aufgrund der hohen Nachfrage gab es bereits mehrere Engpässe und Nachproduktionen. Ein schönes Beispiel dafür, welche Kraft in einer lebendigen Fankultur im Netz steckt.”

Ihren Job als Augenoptikermeisterin lässt Nicole Hauser jetzt übrigens erstmal ruhen. Eigentlich wollte sie in ihren Beruf nach der Elternzeit zurückkehren. Jetzt aber konzentriert sie sich voll auf den familieneigenen YouTube-Kanal. Es sind noch längst nicht alle Geschichten von Familie Hauser erzählt.

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